Speichersdorf liegt inmitten einer scharf umgrenzten, noch heute gut erkennbaren Rodungsinsel, die aus der Fläche des alten Spechteshartes,
einem weiten Waldgebiet herausgerodet wurde. Der schon im Jahre 1003 bezeugte Spechteshart war Grenzforst zwischen dem pfälzischen Nordgau und dem fränkischen Radenzgau. Da der
Spechteshart ursprünglich Königsforst war, ist anzunehmen, dass die ersten Rodungsmaßnahmen auf königliche Initiative hin erfolgten. Die Siedlungsgeschichte der Gemeinde
Speichersdorf wird derzeit neu geschrieben. Ausgrabungen auf einer Anhöhe zwischen den Orten Haidenaab und Wirbenz im Jahr 1996 deuten darauf hin, dass bereits in der Mitte des 8.
Jahrhunderts Slavenstämme in dieser Region siedelten. Bei den Ausgrabungen wurden insgesamt 26 Gräber freigelegt und archiviert. Die Anzahl der Gräber, die Art der Totenbestattung,
die Grabbeigaben, die Schmuckstücke, die Bewaffnung und die Kleidungsreste lassen auf eine größere Slavenansiedlung an der Haidenaab schließen.
Speichersdorf wurde erstmals im Jahre 1195 urkundlich erwähnt. In einem Schutzbrief des Papstes Celestin III. vom 15. Mai 1195 für das Kloster Weißenohe unter dem Abt Ekkehard, in
dem der Papst das Kloster mit den Besitzungen unter seinen Schutz stellte, wurde auch der Ort Speichersdorf in päpstlichen Schutz genommen.
Einen weiteren weltlichen Schutz erfuhren die Weißenoher Klostergüter im Schutzbrief von König Philippus aus dem Jahre 1205. In der im Staatsarchiv im Amberg aufbewahrten Urkunde
wird u. a. auch Speichersdorfl in etwas veränderter Schreibweise aus "Spiehersdorfl" erwähnt.
Speichersdorf war zuerst politisch dem Hochstift Bamberg, dann den Landgrafen von Leuchtenberg unterstellt.
Am 10. April 1281 verpfändete der Landgraf Friedrich II. von Leuchtenberg die Burg Kulm, die deutsches Reichslehen war, an den Hohenzollerischen Burggrafen Friedrich III. von Nürnberg.
In einer weiteren Urkunde, die um das Jahr 1281/82 anzusetzen ist, über den völligen Verzicht des Leutenberger Landgrafen auf die Burg und den Berg Kulm, wird erstmals auch die Vogtei
Speichersdorf erwähnt.
Anschließend gelangte Speichersdorf zur Markgrafenschaft Kulmbach und später zur Markgrafenschaft Brandenburg-Bayreuth. Erst im Jahre 1803 wird dieses Gebiet wieder bayrisch. Zu
erwähnen ist ein Vertrag aus dem Jahre 1436 zwischen dem Pfalzgrafen Ludwig und Herzog in Bayern und dem Markgrafen Friedrich von Brandenburg wegen der Hochgerichtsbarkeit, u.a. auch in
Speichersdorf. Im Jahr 1813 erfolgte die Bildung des Steuerdistrikts Speichersdorf.
Die Wirrnisse, Kriege und Grenzstreitigkeiten des Mittelalters
berührten das Dorf Speichersdorf kaum. Die neue Geschichte von Speichersdorf wird entscheidend geprägt durch die Eisenbahn. Am 3. Januar 1862 erhielt die privilegierte königl.
Bayer. Ostbahngesellschaft die Bewilligung zum Bau der Bahnlinie Weiden-Bayreuth. Mit dem Bau des Bahnhofs Kirchenlaibach wurde ebenfalls 1862 begonnen. Obwohl die damalige Gemeinde Speichersdorf
den wesentlich größeren Anteil an Grund zur Verfügung stellte, wurde bei der Namensgebung der Bahnstation der Name Kirchenlaibach berücksichtigt. Dafür bietet sich als
Grund an: Die größere der beiden Gemeinden war das Pfarrdorf Kirchenlaibach mit 300 Einwohnern, während Speichersdorf nur 259 Einwohner zählte. Am 1. Dezember 1863 fuhr dann
auf der eröffneten Bahnstrecke Weiden-Bayreuth der erste fahrplanmäßige Eisenbahnzug. Damit begann für die Gemeinden Speichersdorf und Kirchenlaibach die moderne Zeit. Mit
dem Bau der Bahnstrecke Nürnberg-Eger in den Jahren 1877/78 wurde der Bahnhof Kirchenlaibach zum Eisenbahnknotenpunkt ausgebaut. Das alte Bahnhofsgebäude von 1862/63 wurde wieder
abgerissen und dafür das heutige Hauptgebäude errichtet. In der Folgezeit vergrößerte sich die Bahnstation Kirchenlaibach durch ein Bahnbetriebswerk, früher Lokbahnhof,
und seine beiden damaligen Bahnmeistereien, die mit ihren rund 350 Bediensteten zur gesamten Entwicklung des Landes um den Rauhen Kulm entscheidend beitrugen.
Ein Jahrhundert lang war die Eisenbahn ein entscheidender Faktor im Leben der Gemeinde Speichersdorf. Durch die einschneidenden
Rationalisierungs- maßnahmen der Deutschen Bundesbahn in den letzten Jahren hat der Bahnhof Kirchenlaibach viel von seiner damaligen Bedeutung verloren. Schon nach dem 1. Weltkrieg bahnte
sich in Speichersdorf eine für Landgemeinden moderne Entwicklung an. In den Jahren 1935-1937 wurde hier in Speichersdorf ein Militärflugplatz erbaut, der bis Kriegsende
Ausbildungsflughafen war.
Die Industrialisierung begann 1948 mit dem Bau der Meßwerkzeugfabrik Friedrich Richter. 150 Betriebsangehörige fanden dadurch Arbeit und Brot.
Gleichzeitig wurden in den ersten Nachkriegsjahren mehrere mittelständische Handwerks- und Gewerbebetriebe neu gegründet. In der Folgezeit begann auch bereits verstärkt der
Wohnungsbau, da durch die Ansiedlung vieler Heimatvertriebener ein erhöhter Wohnungsbedarf bestand.
Im Jahre 1954 erfolgte die Grundsteinlegung für den Bau des
ersten Abschnittes der Volksschule. Im Hinblick auf den Rückgang der Schülerzahlen der evang. Bekenntnisschule (1955 nur noch 93 Schüler) und einer zweckmäßigen Nutzung
des Neubaues wurde am 2. September 1956 eine Gemeinschaftsschule, die erste Gemeinschaftsschule in der Oberpfalz, gegründet. Aus der damaligen Sicht muss dies als äußerst
fortschrittliche Aktion gewertet werden. Dieser Neubau musste mehrfach erweitert werden und beherbergt nun die Grund- und Hauptschule mit insgesamt 23 Klassen. Im Jahr 1996 wurde der
Erweiterungsbau der Grund- und Hauptschule feierlich eingeweiht.
Die weitere Aufwärtsentwicklung wurde durch die Ansiedlung der Porzellanfabrik "Thomas am Kulm", eines Zweigwerkes der Rosenthal-Glas- und Porzellan AG, in den Jahren 1958/60 fortgesetzt.
Dieser Betrieb wurde bereits mehrfach erweitert und beschäftigt derzeit 540 Personen. Einen weiteren Schritt in Richtung Zentralisierung und damit schnelle Verfügbarkeit der Ware und
dem zügigen Versand vollzog man durch den Bau des Zentrallagers im Jahre 1990. Speichersdorf ist durch diese Aufwertung des hiesigen Standortes der Porzellanindustrie zu einer zentralen
Anlaufstelle für die Versendung des Porzellans weltweit geworden.
Als markanteste Geschichtszahl muss das Jahr 1972 angesehen werden. Hier haben sich 8
Gemeinden mit 13 Ortsteilen zu einer Einheitsgemeinde freiwillig zusammen- geschlossen. Im Rahmen der Gebietsreform 1978 wurden noch 2 Ortsteile, Frankenberg und Brüderes, der Gemeinde
zugeordnet. Die Gemeinde zeichnet sich durch ein reges Vereinsleben aus. Durch den mehrfachen Welt-, Europa- und Deutschen Meister im Kunstflug, Manfred Strößenreuter wurde die
Gemeinde international bekannt. Der ersten urkundlichen Erwähnung der Gemeinde Speichersdorf gedachte man im Jahre 1995 im Rahmen der "800-Jahr-Feier" in der Festhalle.