Gemeinderat gibt grünes Licht für Windpark Steinkreuz

Im Zuge des Genehmigungsverfahrens nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz (BImSchG) für den Windpark Steinkreuz wurde die Gemeinde Speichersdorf durch das Landratsamt Bayreuth um Stellungnahme gebeten. Errichtet werden sollen insgesamt sechs Windenergieanlagen des Typs Nordex N175/6.X mit einer Nabenhöhe von 179 Metern, einem Rotordurchmesser von 175 Meter, einer Gesamthöhe von 267 Metern und einer Nennleistung von 6,8 MW. Drei Anlagen stehen auf dem Gemeindegebiet Speichersdorf, drei Anlagen auf dem Gemeindegebiet Kirchenpingarten.

Breite Zustimmung

In der letzten Sitzung vor der Sommerpause stimmte der Gemeinderat fast geschlossen für das Projekt. Bei der Zustimmung wurden insbesondere die Belange der Bürgerinnen und Bürger, allen voran des Ortsteiles Zeulenreuth, in den Mittelpunkt gestellt. Nach den Untersuchungen des Büros IBAS aus Bayreuth werden die gesetzlichen Vorgaben zum Schattenwurf im Gemeindegebiet an den beiden Messstellen in Zeulenreuth überschritten. Im Wohngebiet Hopfengarten tritt indes keine Schattenbildung auf. Laut dem Gutachten beträgt die astronomisch maximal mögliche Beschattungsdauer in Zeulenreuth 49 bzw. 41 Stunden im Jahr. Die maximale Beschattungsdauer an einigen Tagen im Jahr beträgt 39 bzw. 33 Minuten. Zulässig sind nach Bundesimmissionsschutzgesetz max. 8 Stunden im Jahr und 30 Minuten pro Tag. Der Gemeinderat forderte daher in seinem Beschluss zum Schutz der Bürgerinnen und Bürger aus Zeulenreuth zwingend eine Abschaltautomatik einzubauen, wie sie auch in den Windenergieanlagen im Vorranggebiet Krumme Föhre verbaut ist. Zudem sollen die Lichtsignale der geplanten Windenergieanlagen für die Luftfahrt bedarfsgerecht gesteuert werden und nicht permanent blinken. Die Einhaltung der Schatten- und Lärmschutzwerte ist durch permanente Messungen (ganzjährig, 24/7) zu dokumentieren. Ferner sind alle technischen Möglichkeiten auszuschöpfen, um die Belastungen für die Bürgerinnen und Bürger so gering wie möglich zu halten.

Reduzierung von zehn auf ein Vorranggebiet

Bekanntlich hatte der Regionale Planungsverband Oberfranken Ost im Zuge der Teilfortschreibung Windenergie zehn potentielle Vorranggebiete im Gemeindebereich Speichersdorf identifiziert. Hintergrund ist das sog. Wind-an-Land-Gesetz nachdem jedes Bundesland ein bestimmtes Flächenziel für Windkraftanlagen erfüllen muss. In Bayern müssen bis spätestens 2032 1,8 Prozent der Landesfläche für die Nutzung von Windkraft bereitgestellt werden. Ansonsten tritt eine Privilegierung von Windkraftanlagen ein, die einen ungesteuerten Wildwuchs nach sich ziehen würde. Dabei ist es unerheblich, ob in der betreffenden Gemeinde schon Erneuerbare Energien erzeugt werden oder nicht. Im Koalitionsvertrag zwischen CSU und Freie Wähler in Bayern ist die Errichtung von 1000 neuen Windkraftanlagen bis ins Jahr 2030 vorgesehen.

Wertschöpfung bleibt bei den Bürgern

Der Gemeinderat hatte sich im Jahr 2023 einstimmig dafür ausgesprochen, die Fläche am Steinkreuz zwischen Speichersdorf und Kirchenpingarten sowie zwei kleinere Flächen nahe des Speinsharter Forstes zu melden. Während die beiden letztgenannten Flächen nicht in das Fortschreibungsverfahren aufgenommen wurden und derzeit nicht weiter bearbeitet werden, wurde die Fläche Steinkreuz von der Regierung von Oberfranken mittlerweile als Vorranggebiet für Windkraft ausgewiesen. „Der Großteil der nun überplanten Flächen befindet sich im Besitz der Gemeinde Speichersdorf und damit aller Bürgerinnen und Bürger. Dadurch ist gewährleistet, dass die Pachteinnahmen überwiegend in den gemeindlichen Haushalt fließen und damit der Allgemeinheit zu Gute kommen, etwa durch die Beibehaltung der Vereinsförderung, der Ausstattung von Schule, Kitas und Musikschule, der Feuerwehren oder der Seniorenarbeit“, unterstreicht Bürgermeister Christian Porsch die Intention des Gemeinderates. Ziel sei es zudem, dass sich die Gemeinde am Betrieb der Anlagen beteiligt, um die regionale Wertschöpfung nochmals zu erhöhen, den erzeugten Strom für einen eigenen Stromtarif zu nutzen und zu gewährleisten, dass die Belastungen für die Bürgerinnen und Bürger so gering wie möglich ausfallen. Zusätzlich ist eine Beteiligungsmöglichkeit für die Bürgerinnen und Bürger geplant.

Stromspeicher erhöht Effizienz

Um die Effizienz der sechs Windenergieanlagen zu erhöhen, ist auf der Frankenberger Höhe ein Stromspeicher geplant, der die erzeugte Energie aufnehmen kann. Das Bauleitplanverfahren für den 160 MWh-Speicher ist vom Gemeinderat in der zweiten Juli-Sitzung einstimmig auf den Weg gebracht worden. Die dort gespeicherte Energie reicht aus, um rund 16.000 Haushalte einen Tag lang mit Strom zu versorgen. „Speicher sind ein zentraler Baustein für das Gelingen der Energiewende. Da sind sich die Expertinnen und Experten einig. Daher ist es nur logisch, dass der bei uns erzeugte Strom auch für Zeiten mit weniger Stromerzeugung zwischengespeichert wird“, so Bürgermeister Porsch.