Großes Interesse an EUROPAN-Ergebnissen

Anfang Februar fand eine öffentliche Vernissage aller eingereichten Arbeiten für den Standort Speichersdorf zum EUROPAN E18-Wettbewerb im geschichtsträchtigen „Wasserturm“ statt. Bürgermeister Christian Porsch begrüßte über 150 Besucherinnen und Besucher, darunter Vertreter der Städtebauförderung der Regierung von Oberfranken und EUROPAN, Altbürgermeister Manfred Porsch und Mitglieder des Gemeinderates, Preisträger des Wettbewerbes sowie Vertreter aus Nachbarkommunen. Sie  interessierten sich für die Ergebnisse des internationalen EUROPAN-Wettbewerbs E18 zum Thema „Re-Sourcing: Ressourcen neu denken“. Das Gemeindeoberhaupt resümierte, dass Teilnehmer/innen aus 19 Ländern Arbeiten für die beiden deutschen Standorte Regensburg und Speichersdorf Ideen entwickelten. 36 Planerteams reichten Projekte für Speichersdorf ein. Man lag damit beim Interesse auf dem zweiten Platz von 48 Städten aus ganz Europa. Nur die Planungen für ein neues Museum im norwegischen Trondheim lockte mehr Nachwuchsarchitekten an.

Der Ideenwettbewerb zielte auf einen Betrachtungsraum von 245 Hektar in den beiden zusammengebauten Orten Speichersdorf und Kirchenlaibach. Dies betraf besonders den Bereich der Haupt- und Schulstraße mit der Festhalle mit Baujahr 1964, die Bahnhofstraße mit dem gesamten Bahnareal bis zur Danziger Straße, insgesamt 25 Hektar Freiflächen und auch das Werksgelände der Firma Rosenthal. Die alte Festhalle hat nach dem Neubau der Sportarena ihren Hauptzweck als Turn- und Veranstaltungshalle teils verloren. Um einen möglichen Abbruch zu umgehen, wurde den Planern die Aufgabenstellung gegeben, die Möglichkeit einer Generalsanierung samt neuem Nutzungskonzept zu prüfen. Den europaweit ausgelobten und entschiedenen Wettbewerb „Europan 18-Re-sourcing“ als internationales Ideen- und Planungsinstrument stellte stellvertretender EUROPAN-Vorstandsvorsitzender Diplomingenieur Helmut Resch aus Selb den Besuchern der Vernissage vor. „Dieser Wettbewerb hatte das Ziel neue Perspektiven auf das Bestehende unter Berücksichtigung der 3 Rs zu gewinnen. Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass eine 6.000-Einwohnerkommune daran teilnimmt“, erklärte der frühere Selber Bauamtsleiter und stellvertretende EUROPAN-Vorsitzende Helmut Resch. Die drei Rs bedeuten „Reduce“ (Verringerung des Neubaus), „Reuse“ (Wiederverwendung bereits gebauter Räume und Materialien) und „Recycle“ (Verwendung von Materialien aus biologischem Anbau, aus biobasierten Materialien, Vorwegnahme des Rückbaus und Bezugnahme auf lokale Baukultur und Material). Damit sollen die natürlichen Ressourcen im Bestehenden gefördert und gleichzeitig in urbanisierten Räumen der Städte und Kommunen dem Klimawandel und den von den Menschen verursachten sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Ungleichheiten mit innovativen und integrativen Projekten sowie neuen Planungsprozessen begegnet werden.

Für den Standort in Speichersdorf wurde ein tragfähiges Konzept zur behutsamen Umnutzung der bestehenden ortsbildprägenden Festhalle aus den 1960er Jahren gesucht. Daneben sollten für das Gemeindegebiet modellhafte Lösungen gefunden werden, die die Resilienz der Kommune gegenüber dem demografischen Wandel, den wirtschaftlichen Umbrüchen und den Auswirkungen des Klimawandels stärken. Das Siegerprojekt „Erholsame Produktionsräume“ der drei Architekten Lorenz Junge, Hikari Masuyama und Justus Pfeil aus Hamburg versteht die landwirtschaftlich geprägten Flächen im Gemeindegebiet als produktive wie entspannende Freiräume. Es positioniert sich klar gegen eine Neubebauung fruchtbarer Agrarflächen. Stattdessen setzt es auf die Entwicklung vorhandener Baulücken und des Bahnhofsumfelds. Die lokale Energieerzeugung durch Kurzumtriebsplantagen (KUP) wird integraler Bestandteil des räumlichen Konzepts, etwa über die Nutzung von Abwärme aus Datenspeichern in der umgenutzten Festhalle oder temporäre PV-Installationen auf unbebauten Parzellen.

„Speichersorf ist ein Klimachampion. Das ist noch nicht überall vor Ort in den Köpfen verankert. Stadt und Land gehören zusammen und können sich ergänzen“, war deren Meinung. Angedacht dafür ist zum Beispiel ein Grundstück im Bereich der Kita Birkenweg, das zu einer Kurzumtriebsplantage mit Waldkindergarten genutzt werden könnte. Besonders überzeugend fand die Jury die Idee, „die bislang monofunktional genutzten Agrarflächen ökologisch-strukturell aufzuwerten und zugleich für die Bevölkerung erlebbar zu machen“. So entstünde ein vielseitiger Freiraumtypus, der Produktion, Energiegewinnung und Erholung miteinander verbindet.

Das mit der Wertung „Lobende Anerkennung“ ausgezeichnete Projekt IDEENWERK creative engine – Umnutzung der Festhalle der beiden Architekten Josef Bader und Gregor Wastl aus München befasste sich mit der energetischen Sanierung und Umnutzung der Festhalle. Diese sollte auf drei Stockwerksebenen barrierefrei für verschiedene Nutzungsmöglichkeiten umgebaut werden. Kernpunkt ist ein multifunktioneller Raum für junge Leute, aber auch offen für Alle. Ein neuer Eingang zur Ostseite führt künftig in eine offene Gemeinschaftshalle als Begegnungsstätte, Ausstellung mit Terrasse. Im 1. Obergeschoss sind beispielsweise offene Werkstätten geplant, die mit flexiblen Raumtrennern nach Bedarf erweitert werden können. Im 2. Obergeschoss könnten Arbeitsplätze in Form von Co-Working-Spaces zur Eigennutzung oder Vermietung entstehen.

„Zwischen Naschgarten und Streuobstwiese“ heißt das vom Architektenteam Olga Cobuscean, Linus Hermann und Philipp Goertz entwickelte und vorgestellte Projekt, dass mit der Auszeichnung „Lobende Erwähnung“ gewertet wurde. Es beschäftigt sich vornehmlich mit der Umgestaltung der Festhalle zum Arbeiten, Lernen und Erholen. Sie soll von Obstgarten, Streuobstwiese und Naschgarten eingerahmt werden. Es dient auch als Begegnungsstätte von Schülern, Besuchern der Seniorentagesstätte und der Bürgerschaft.

Anschließend gab es bei Getränken und Snacks die Möglichkeiten die Planungen an den Stellwänden und dem Hallenmodell zu sichten und sich von den Preisträgern erläutern zu lassen. Bei der Eröffnung stellte Porsch den Künstler Felix Pensel aus Selbitz vor, der die ehemaligen Bahngebäude für die Vernissage zur Verfügung stellte. Er betreibt in den von ihm angepachteten Räumen des E-Werks samt Wasserturm ein Künstleratelier. „Die Planer betrachten Orte und ich Menschen, die darin leben. Ich möchte mit meiner Kunst zeigen, was uns bewegt, verbindet und beunruhigt. Seine Installationen zum Thema „Mensch-KI“, Zeichnungen, Skulpturen und Malerei konnten bei einem Rundgang besichtigt werden.