Das zweite Speichersdorfer Energieforum bot die Möglichkeit sich über aktuelle Entwicklungen zum Ausbau von erneuerbaren Energieformen und zu Chancen der Energiewende in der Region Oberfranken und Nordbayern zu informieren. Unter dem Motto „Energiewende Bayern“ hatten die Gemeinde Speichersdorf im Rahmen der Bayerischen Energietage Donnerstag, 23. Juli 2026 zum zweiten Energieforum nach 2024 in die Sportarena nach Speichersdorf eingeladen. Ab 18 Uhr nutzten die rund 50 Besucher das umfangreiche Informationangebot zu den Themen erneuerbare Energien, -politik und Chancen sowie Biodiversität den Klimawandel zumindest zu verlangsamen.
Bürgermeister Christian Porsch hieß die Teilnehmer und Besucher, insbesondere die Gemeinderäte mit Altbürgermeister Manfred Porsch und die Aussteller willkommen. Ein besonderer Gruß galt dem Impulsgeber Professor Dr. Ing. Markus Brautsch vom Institut für Energietechnik GmbH (IFE) an der OTH Amberg-Weiden und den beiden Referenten zum Thema Biodiversität Stefanie Jessolat, Geschäftsfüherin des Landschaftspflegeverbandes Weidenberg und Florian Lang vom Projektmanagement KomBI aus Lohr am Main. Als Aussteller nahmen das Institut IfE (kommunale Wärmeplanung), die KEWOG-Energie (Finanzierung und Projektleitung), die Firmen Primus Energie (Windenergieplanung Windpark Steinkreuz) und ZENOB Wunsiedel (Kommunale Entwicklungsstrategien), der Landkreis und Regionalmanagement Bayreuth (Klimaschutz), Landschaftspflegeverband Weidenberg mit Projektmanagement KomBi (Biodiversitätsstrategie) teil. Zudem informierte die Gemeinde Speichersdorf über den Bürgersolarpark sowie die Bioenergie Speichersdorf GmbH (Fernwärmenetz) über die erzielten Erfolge bei der Umsetzung der Energiewende vor Ort. Der Bürgersolarpark wurde mit dem Bayerischen Energiepreis ausgezeichnet.
Nach einer Videobotschaft von Wirtschaftsminister und Schirmherr Hubert Aiwanger zum Thema erneuerbare Energien und regionale Wertschöpfung zeigten Lang und Jessolat die Chancen mit dem geplanten Biodiversitätskonzept zur Förderung der biologischen Vielfalt auf. „Zwei Drittel der 63 Vegetationstypen in der deutschen Landschaft geht`s schlecht. Das schlägt auch auf die Arten durch, wenn ihre Lebensräume gefährdet sind“, so Lang. Mitbetroffen dabei sind Ökodienstleistungen, die auch die Wirtschaft treffen. Zehn Kommunen haben den Prozess zur Erstellung einer kommunalen Biodiversitätsstrategie und deren Umsetzung bereits durchlaufen. Im Kern stehen in zwei öffentlichen Workshops herausgearbeitete realistische Maßnahmen und Umsetzungsziele in den Bereichen offenes Land, Gewässer, Wald, Siedlung, Bewußtseinsbildung und Wertschöpfung. Die Förderung beträgt 70 Prozent und wird über den Landschaftspflegeverband Weidenberg umgesetzt. LPV-Geschäftsführerin Stefanie Jessolat stellte die Arbeit des Verbandes zur Förderung der Artenvielfalt mit vielen Beweidungs- Pflanz- und Pflegemaßnahmen vor. Franz Moder vom Büro OPUS aus Bayreuth wird das Projekt nach seinem Kurzvortrag ökologisch und umweltfachlich begleiten.
In Speichersdorf geht’s voran
„Wir sind auf dem Weg. Der Reduktionspfad zeigt seit 1990 in Sachen Treibhausgas nach unten. Hier in Speichersdorf geht in Sachen Klimaschutz und Energiewende deutlich was voran“, leitete Prof. Dr.-Ing. Markus Brautsch seinen Vortrag ein. „Energiewende heißt Stromwende“ war sein Credo zur künftigen Hauptenergieform. Das IFE-Institut kümmert sich seit 1990 mit rund 100 Mitarbeitern um Forschung, Entwicklung und Anwendung mit wissenschaftlicher Umsetzungsbegleitung zum Thema Energie bei den Kommunen. Rund 60 Prozent des Stroms stammen aktuell aus erneuerbaren Energien. Bei Wärme (20 %) und Verkehr (8 %) geht es wesentlich langsamer bei der Energiewende voran. 2024 wurden 188 Gigawatt erneuerbare Energien erzeugt. Ziel für 2040 sind 615 Gigawatt Strom. In der Region Oberfranken-Ost wurde ein Regionalentwicklungskonzept 2040 mit dem Ziel erstellt, eine sichere, bezahlbare, klimafreundliche und regional verankerte Energieerzeugung zu gewährleisten. Das Konzept zeigt Transformationspfade für Kommunen und Wirtschaft auf und dient als Entscheidungs- und Planungsgrundlage. Istzustand in der Region ist ein Strombedarf von 2,5 und Wärmebedarf von 6,8 und Verkehr von 5,9 Gigawattstunden. Wesentliche Ausbaupotentiale den wachsenden Strombedarf auszugleichen sah der Referent hauptsächlich im Bereich von Photovoltaik (2040: 400 GW) und Windkraft (160 GW).
„Die Herausforderung ist das zeitliche Ungleichgewicht zu Erzeugung und Verbrauch mittels Speicherung in jeglicher Form auszugleichen“, so Brautsch. Ansatzpunkte dafür sind nicht der an Extremwerten orientierte Netzausbau, sondern Flexibilisierung der Verbraucher, stärkere Kopplung von Erzeugung und Verbrauch, bessere Netzauslastung durch Digitalisierung, kurzfristig einsetzbare Stromspeicher, Wasserstoff und weitere Lanfzeitspreicher zur Überschussnutzung und saisonalem Ausgleich. Dazu gehört auch die Sektorenkopplung und regionale Weiterverarbeitung von Enregieüberschüssen. Bezogen auf Speichersdorf gelingt dies mit einer Machbarkeitsstudie samt Kommunikationskonzept, Gesellschaftsgründung zur Errichtung einer neuen Wärmestruktur samt -bereitstellung und klimaneutrale kommunale Liegenschaften. Die lokale Energiewende gelingt nur mit Wärmeplanung, maßgeschneiderten Quartierskonzepten, Sektorenkopplung bei Strom, Wärme und Mobilität sowie ein zukunftssicheres Wasserstoffkonzept. Mit diesen Bausteinen wird Klimaschutz, Wirtschaftlichkeit, Versorgungssicherheit, Lebensqualität und Zukunftsgestaltung in Einklang gebracht.
Abschließend zollte Brautsch der Gemeinde Speichersdorf Respekt für ihre Bereitschaft bei der Energiewende und energetischem Klimaschutz in Nordbayern voranzugehen. In Anschluss an die Vorträge nutzten die Besucher Fragen an die Referenten beantwortet zu bekommen und an den Ständen sich über die Themen zur Energiewende informieren zu lassen.
Text und Bilder: Arnold Koch
