Regenerative Wärme für das Zentrum Speichersdorfs

Im Rahmen ihres nachhaltigen Energiekonzeptes versorgt die Gemeinde einen Teil von Speichersdorf seit diesem Jahr mit Wärme. Die Heizzentrale samt dem dazugehörigen Nahwärmenetz wurde nun Ende September mit einem kleinen, aber würdigen Festakt eingeweiht. Bei besten Herbstwetter hieß Bürgermeister Christian Porsch den bayerischen Umweltminister Thorsten Glauber, Geschäftsführer der KEWOG und Bioenergie Speichersdorf e.V. Rainer Hecht, die beiden Geistlichen Andrea Kühn und Sven Grillmeier, Vertreter der Nachbargemeinden, der Sparkasse Oberpfalz-Nord, Planer und Firmenvertreter, Mitglieder des Gemeinderates vor der Nahwärmezentrale neben der Grüngutannahmestelle willkommen. „Wir haben es geschafft! Es war nach der anstrengenden Akquise- und Planungsphase ein langer und nicht einfacher Weg bis zur Inbetriebnahme im Dezember letzten Jahres. Auch persönlich habe ich viel Herzblut reingesteckt, weil ich überzeugt bin, dass wir uns mit diesem Projekt zukunftsfähig machen“, verdeutlichte Porsch.

Man startete mit den ersten Überlegungen bereits 2008, gründete danach die Interessensgemeinschaft Nahwärmekraftwerk Altspeichersdorf und stoppte 2012 das Projekt, da die Zeit dafür noch nicht reif war. 2011 wurde die kommunale Bioenergie Speichersdorf gegründet und die Basis dafür gelegt. Die Geschäftsbesorgung übernimmt bis heute die KEWOG Energie und Dienste. „Die heutige Generation ist es nachfolgenden Generationen aus Gründen des Klimaschutzes und der Unabhängigkeit von autoritären Staaten schuldig, weg zu kommen von fossilen Energieträgern. Wir stärken damit auch regionale Wirtschaftskreisläufe wie Waldumbau und Holznutzung durch Hackschnitzel“, versicherte das Gemeindeoberhaupt. Eine klare Botschaft richtete er Richtung Berlin: So wie das EEG 2027 aktuell geplant ist und die Energiepolitik läuft, werden die regionalen Wirtschaftskreisläufe eher zunichte gemacht als gestärkt. Das gilt für die Windkraft ebenso wie für Biogasanlagen, Energiegenossenschaften und Kommunen. Ein Zusammenschluss von rund 300 Bürgermeistern geht unter dem Motto „Zusammen erfolgreich erneuerbar“ dagegen vor. Dies unterstreicht der aktuelle Ölpreis von 1,70 Euro/Liter. Damit kostet das Kilowatt knapp 25 Cent, mit Nahwärme knapp 16 Cent. 1265 Tonnen Co2 würden pro Jahr eingespart. Sein Dank galt allen am Projekt Beteiligten für die Unterstützung und gute Zusammenarbeit.

„Wir müssen solche Dinge wie Energie im Ganzen denken. Das macht Speichersdorf vor und es ist eine Herzensangelegenheit der Verantwortlichen die Energiewende voranzutragen. Speichersdorf ist hier führend“, erklärte der Umweltminister. Er forderte zum Wandel durch Handeln auf, um die deutsche Wirtschaft konkurrenzfähig zu halten. Dem Vorbild Speichersdorf sollte nachgeeifert werden und nicht stehen zu bleiben. Er gratulierte zum Gelingen und dem Mut dieses 5-Millionenprojekt trotz vieler Hindernisse gestemmt zu haben. Rainer Hecht berichtete, dass der Bau im Mai 2025 startete, im Dezember Wärme lieferte und bis September endgültig fertiggestellt ist. 300 Häuser werden aktuell mit Nahwärme beliefert. Jährlich sollen bis zu 3.100 MWh Wärme aus zwei Öfen mit 1.800 KW erzeugt und über die 2,7 Kilometer lange Nahwärmeleitung an die Endkunden, kommunale Gebäude und Seniorenheim geliefert werden. „Dieses Projekt strahlt weit aus. Es zeichnet sich als wertvolles Produkt mittels verlässlicher Partner aus und passt durch die aktuellen Geschehnisse in unsere unruhige Zeit“, stellte er fest. Bei der Segnung durch die beiden Geistlichen bestätigten sie, dass solche Projekte nur in Gemeinschaft, mit Begeisterung und Feuer für eine Idee gelingen und damit den Schöpfungsauftrag durch Fürsorge, was nach uns kommt, erfüllen. Nach einer gemeinsamen Besichtigung der Anlage fanden sich die Teilnehmer bei guter Bewirtung zu einer Gesprächsrunde in der wärmenden Sonne.

Eckdaten der Nahwärmezentrale mit Nahwärmenetz

Die Bioenergie Speichersdorf investierte fünf Millionen Euro. Zuschüsse fließen durch den Bund im Programm „Effiziente Wärmenetze“ mit 40 Prozent. Die Anschließer leisten einen Anschlussbeitrag. Der Rest ist Fremdfinanzierung. Der Brennstoff ist ausschließlich Hackschnitzel. Die Lieferkette mittels eines zuverlässigen Unternehmens ist gewährleistet. Eine externe Notversorgung ist möglich. Es stehen derzeit zwei Industrieheizkessel (3 möglich) zur Verfügung, die wechselseitig einen Ausfall ausgleichen können. Zudem werden 60.000 Liter mit 80 Grad Heizwassertemperatur immer vorgehalten, sodass kurzfristige Ausfälle kompensiert werden können. Weiterhin sind in den versorgten Wohngebäuden zusätzlich Pufferspeicher verbaut, die kurzfristige Bedarfsspitzen dort abfedern können.

Die Rohware wird von Waldgenossenschaften und -besitzern aus der Region gekauft und die Hackschnitzel liefert eine Losauer Firma. Der Bunker hat eine Kapazität von 100 Kubikmeter pro Ofen, insgesamt 300 Kubikmeter. Der Nachschub ist im Winter im Rhythmus von rund fünf Tagen erforderlich, im Sommer reichen die Lieferungen teils einen Monat. Die KEWOG Energie und Dienste ist Partner. Ohne sie wäre das Projekt nicht umsetzbar gewesen. Sie übernimmt die Geschäftsbesorgung für die Bioenergie Speichersdorf GmbH & Co KG. An der Bioenergie ist die Gemeinde 100-prozentiger Kommanditist und die KEWOG Komplementär. Die Abrechnungen mit den Endkunden erfolgen durch die Bioenergie und die KEWOG erstellt als Dienstleister die Rechnungen.