Ein Nachmittag, der lange im Gedächtnis bleiben wird

Überwältigt waren die Veranstalter Landratsamt Bayreuth und die Gemeinde, unterstützt von der Polizeiinspektion Bayreuth-Land und Kripo Oberfranken vom Besuch. Am Donnerstagnachmittag (19.03.2026) füllten 300 Besucherinnen und Besucher die Sportarena bis auf den letzten Platz. Hauptsächlich Senioren, nicht nur aus Speichersdorf, zeigten mit ihrer Teilnahme ihr großes Interesse sich mit der Präventionsveranstaltung „Ned mit mir“ über den Themenbereich Trickbetrug und -diebstahl informieren zu lassen. Bürgermeister Christian Porsch hieß die Besucher, insbesondere die Vertreter des Landratsamtes, der Sparkasse Oberpfalz-Nord und der Raiffeisenbank am Kulm als Sponsoren, Altbürgermeister Manfred Porsch sowie Mitglieder des Gemeinderates willkommen. Die Veranstaltung unterstützte auch die Adalbert-Raps-Stiftung. Der Auftritt der beiden Protagonisten Tom Bauer als Kabarettist und Kripobeamtin Anja Füßmann thematisiere das Thema Trickbetrug auf pointierter Weise in einem Präventionstheater. Sein besonderer Dank galt der Seniorenbeauftragten Margit Kaiser, die mit ihrem Team für Kaffee und selbstgebackenen Kuchen und Getränke sorgte.
Staunen, Lachen, Mitsingen, Schunkeln und sich informieren lassen waren beim rund 1,5 Stunden dauernden kurzweiligen Auftritt der beiden Darsteller die Kernpunkte. „Dass wir nicht auf solche Betrugstricks reinfallen und uns nicht über`s Ohr hauen, uns sensibilisieren lassen, das ist das Ziel dieses Auftritts“, verdeutlichte Porsch. Los ging`s mit dem Anruf einer vermeintlichen Polizistin, die dem Hausbesitzer Tom vor einem Einbruch in seiner Straße und auch bald bei ihm warnte. Sie riet ihm seine Wertgegenstände wie Geld, Edelmetall, Firmuhr und Autoschlüssel mit Kfz-Brief und -Schein von einem „Beamten“ abholen zu lassen. Man könnte dies zur „Sicherheit“ auf der Polizeistation verwahren. Zu dem Betrugsbeispiel aus dem Bereich „Callcenterbetrug“ klärte die Kripobeamtin auf. Meist wird aus dem Ausland mit Anzeigen einer deutschen Telefonnummer angerufen und die Angerufenen mit Angstmachen auf eine falsche Fährte gelockt. „Einfach wie hier auflegen und bei der Polizei anrufen. So können Sie die Betrugstricks von vermeintlichen Polizisten, Staatsanwälten, Rechtsanwälten aufdecken“, riet Füßmann. Auf einem Banner zeigten die beiden Darsteller, dass allein im Jahr 2025 nur in Oberfranken 2,4 Millionen Euro gemeldete Vermögensschaden entstanden ist. Die Dunkelziffer ist nicht bekannt. Die meisten Betrugsmaschen bleiben zwar im Versuch stecken, doch viele werden nicht angezeigt. Bauer intonierte dazu begleitet auf seinem Akkordeon das Lied „Einfach Hörer einhänga“ und forderte den Saal zum Mitschunkeln auf.
Beim nächsten Betrugstrick besuchte Füßmann als Mitarbeiterin der „Lottozentrale“ den Nichtlottospieler Tom als Gewinner einer Sonderziehung. Die 25.000 Euro Gewinn konnte er nur nach Bezahlen von Bereitstellungs- und Benzinkosten, Kofferversicherungsprämie ausgehändigt bekommen. Nach 400 Euro Unkosten einschließlich Trinkgeld musste er feststellen, dass der Geldkoffer leer war. Falsche Gewinnversprechen oder angebliche Erbschaft „mit steter Vorkasse“ gehören zu den Trickvarianten dazu. Weitere Spielarten des Trickbetrugs sind der Bankmitarbeiter, der eine Restrukturierung des Ersparten verspricht, und der Wunderheiler, der an der Haustür Heilung von vielfältigen Wehwehchen versichert. Das Gemeindeoberhaupt mimte den Hausbewohner, der mit verschiedenen Taschendiebtricks um seinen Geldbeutel gebracht wurde. „Lassen sie sich nicht täuschen und lachen Sie den Betrug ins Gesicht. Nicht ins Haus lassen“, rieten Bauer und die Kripo-Beamtin bei vermeintlichen Haustürgeschäften. „I mach ned auf, I lass ned nei“ war der musikalische Rat von Kabarettist Tom Bauer.
Mit einem Besucher zeigten die beiden Protagonisten auf der Bühne, wie Supermarktdiebe im Team mit Arbeitsteilung agieren. Opfer ablenken, Wertgegenstände stehlen, unerkannt bleiben und verschwinden heißt die Masche der Trickdiebe. Füßmann riet Handys oder Geldbeutel nicht in Gesäßtaschen und locker sitzenden Jacken zu tragen sowie Taschen nicht im Einkaufswagen zu belassen. Der beste Aufbewahrungsort dafür sind Umhängetaschen, die umgehängt mit Verschluss am Körper getragen werden.
Mit dem Abspielen einer Originaltonspur mehrerer Schockanrufe wurden die Besucher mit dem Thema Enkeltrick konfrontiert. Gespielte Enkel oder Kinder mimen am Telefon meist heulend und klagend eine erfundene Notlage wie Unfallfolgen, Kautionsforderung, Vermögensschäden durch Verlust oder Diebstahl und fordern Geld oder Vermögensgegenstände. Der geschockte Angerufene ist zum Helfen aufgefordert. Es ist immer wieder die gleiche Masche: „Eine wildfremde Person ruft an, heult und spricht sie mit Mama oder Papa an. Die Betrüger wissen, dass solche Anrufe einen schocken und schnelles Helfen leichter fällt“, berichtete Füßmann. Man gibt nicht nur Geld, sondern auch das eigene Selbstwertgefühl her. Ruhig bleiben, auflegen, den Angehörigen selbst mit der bekannten Telefonnummer anrufen, Anruf bei Bekannten und Verwandten zur Unterstützung waren ihre Ratschläge. „Deshalb müssen wir zusammenhalten und uns gegenseitig helfen“, schloss die Kripobeamtin. Als Zusammenfassung der Trickbetrugsthematik samt Tom Bauer mit der großen Besucherrunde das Lied „Ned mit mir, mir ham eich durchschaut“. Das Mimenduo erhielt für ihren Auftritt anhaltenden Applaus der großen Besucherrunde.
Foto und Text: Arnold Koch


